Shopping na Brasília

Die Goethe-Institute in Brasilien hatten mich eingeladen, im November und Dezember sechs Leseförderungsworkshops zu geben und einen Vortrag zu halten. Meine Freude war groß und ich flog hin. Zu der Zeit ist in Brasilien Sommer und es ist sehr heiß. Die Weihnachtsfrauen sitzen bei fast 40 Grad im Schatten auf den Plätzen herum und alle Welt sucht immer mal wieder einen klimatisierten Laden auf, um sich abzukühlen. Ich war zu diesem Zweck in einem Wäscheladen gelandet und schaute mir interessiert alle erdenklichen Geschirrtücher mit Weihnachtsmotiven an: Porto Alegre, meine erste Station,  ist damit reich gesegnet.  Doch noch war ich nicht fertig an meinem ersten, freien Tag.  Im Koffer lagen drei warme Strickjacken, aber zu wenige Sommerkleider, so dass mindestens ein neuer Fummel gekauft werden musste. Da die Brasilianer ganz selten englisch können und ich kein portugiesisch spreche, klappte die Verständigung irgendwie mit Händen und Füßen. Nach dem zehnten Klamottenladen hatte ich aber langsam die Nase voll: alles zu groß oder zu breit oder ohne Form. Aber da! „Das sind doch schöne Kleider!“ sagte ich laut zu mir selbst und betrat das Geschäft.

Mein Anliegen wurde von den zwei Damen dort mit seltsamer Miene quittiert. Sie schauten einander irritiert an, dann nickte mir die eine zustimmend zu und ich begann, mir alle Kleider ordentlich anzusehen. Die Verkäuferinnen beäugten mich seltsam, doch ich ließ mich nicht beirren. „Lieber das oder das da? Mmh, da stimmen die Farben nicht und der Fummel ist zu lang. Schade!“ Ich murmelte enttäuscht vor mich hin, sagte nach 15 Minuten artig „obrigada“ und „ciao“ und verließ das Geschäft. Ein Blick zurück ließ mich stutzig werden. In großen Lettern prangte das Wort ‚Lavanderia‘ über dem Schaufenster. Alles fertig ‚ao 3 horas‘. Vor lauter Lachen bin ich gleich noch mal in den Laden mit den Geschirrtüchern gegangen und habe mir dann erst mal ein paar schrille Flip-Flops gekauft. Die werden schließlich nirgendwo auf der Welt gereinigt, und dass ich als Referentin für das Lesen im Einsatz war, habe ich hübsch verschwiegen.

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