Kategorie Jungs.

Herkunftsfrage.

Donnerstag, 01. April 2010 um 23:15

Der stille Junge mit den großen Augen hatte in der arabisch-deutschen Vorlesestunde  für Kinder ab vier  Jahren alles verstanden.

Mohammed, der Vorlesepate,  hatte  zuerst sein arabisches Kopftuch aus der Tasche geholt, erklärt,  warum das bei Sonne, Wind, Kälte und Hitze so praktisch ist, und gezeigt, wie man es auf dem Kopf gut festbindet.  Dann kam das Vorlesen – wunderschön  – Applaus von der Kinderschar! Das Aussprechen arabischer Wörter klappte auch bei unserer Bibliotheksdirektorin ganz gut und dann ging das Erzählen los,  auf arabisch und deutsch.

Irgendwann kam die Frage auf, aus welchem Land denn die Kinder oder deren Eltern und Großeltern  stammen. Der Kleine verstand die arabischen Sätze, nickte still, sagte aber nichts. Die vielen arabischen und deutschen Sätze entlockten ihm kein Wort, er schwieg, nicht trotzig, eher erstaunt. Alle großen und kleinen Zuhörer waren nun sehr gespannt darauf, woher der Junge käme. Und in die gespannte Stille hinein antwortete der Junge mit glasklarer Stimme: „Blumenstraße!“

Voll die Sofas.

Mittwoch, 10. Februar 2010 um 18:42

Die Bibliotheksdirektorin war mal wieder auf ihrer Patrouille durchs Haus. In der Jugendbibliothek im 2. Stock waren alle Sofas mit knutschenden Pärchen besetzt. Dreimal umkreiste die Direktorin diskret die ineinander verkeilten Haufen und rief dann von Ferne: „Hallo, das Knutschen ist hier nur mit Bibliotheksausweis erlaubt! “

Im 1. Stock lagen zwei Jungs auf den beiden Ledersofas: Jeder hatte seinen Kram irgendwohin gestellt und sich der Länge nach ausgestreckt.  Der größere von beiden klappte nach einiger Zeit ein Auge auf und meinte schlaftrunken: „Isch denke nach, ok?“.  Er sah tatsächlich reichlich verknittert aus und die Direktorin blieb auch hier  gnädig: Eine Mütze Schlaf kann niemandem schaden und stärkt das Hirn. Die beiden Schläfer waren vorbildlich ausgestattet: Sie besaßen jeder einen Bibliotheksausweis.

Im Erdgeschoss schaute sich die Bibliotheksdirektorin unauffällig um: Das Bett in der Kinderbibliothek war gerade frei …

Hilfskräfte.

Samstag, 26. Dezember 2009 um 20:14

Die Bibliotheksdirektorin hatte in  Kinderbibliothek ein großes Chaos veranstaltet. Alle Kassetten waren aus den Trögen geräumt, mindestens die Hälfte sollte aus dem Bestand genommen werden. Hier hatte sie die Serien mit Hanni und Nanni, den Drei ??? und der Hexe Lilli aufeinander gestapelt, dort lagen alle Preußler-Kassetten nebeneinander, Astrid Lindgren war schon dreimal umgefallen und Erich Kästner war auch aufgeschichtet.  Mit zwei Bücherwagen hatte sie sich eingedeckt, doch das reichte nicht: Auch der Boden zu ihren Füßen war voll, sie konnte kaum noch treten. Genau in dem Augenblick kam ein kleiner Knirps angerobbt: „Kann ich die Biene Majas haben?“

„Ok, nimm sie Dir“, gab sie die alten Kassetten nochmal zu Ausleihe frei. Drei weitere Jungs guckten auch ganz interessiert und durften 6 TKKG-Kassetten einpacken. Die Olchies fanden auch auf einmal neue Liebhaber, denn es war wie immer: Soll etwas weggeworfen werden, wird es auf einmal wieder interessant für die kleine Kundschaft. Kinder sind da wie Katzen, je chaotischer der Laden ist, desto besser …

Aber dann kamen Sven und Lars, zwei Fans der Direktorin. „Was machst Du da?“, fragten sie zutraulich. „Können wir dir helfen?“ Voller Vorfreude guckten die beiden Brüder die Direktorin an.

Weiterlesen…

Jugend forscht.

Sonntag, 05. Juli 2009 um 01:08

Die beiden kleinen Jungs, unverkennbar Brüder und voller Tatendrang, waren der rennende Beweis für die These der Bibliothekdirektorin:

Das stille Sitzen gehört nicht zu den Grundbedürfnissen von Kindern!

Sie flitzten durch das ganze Haus und gehörten zu der Sorte der Fummler: Hier mal anfassen, dort mal um die Ecke gucken, auf allen PC-Tastaturen klimpern, am Kopierer die blinkenden Knöpfe drücken, auf Kunstwerke  klettern und am Geländer turnen. Dann an der Sicherungsanlage schaukeln, in den Flohmarktschrank krabbeln und mal in der Kinderbibliothek in die Büros marschieren: „Habt Ihr  Süßigkeiten?“ Mit einer  Schnute voller Gummibärchen saßen dann beide im Bilderbuchtrog, die Bücher hatten sie rausbefördert.

„Allerliebst“, dachte die Direktorin, „wo ist eigentlich der zuständige Papa abgeblieben?“ Sie nahm Fahrt auf und folgte den Energiebündeln.

Die waren schon  wieder die Treppe rauf und hatten vorher noch schnell den Aufzugsknopf gedrückt. Oben entdeckten sie die  Taschenbuchständer, gleich acht  nebeneinander.

Weiterlesen…

Dufte Mädels.

Mittwoch, 10. Juni 2009 um 18:21

Die beiden Mädchen waren etwa 10 Jahre alt, also noch in der Rosa-Phase.  Sie  schritten Hand in Hand die Treppe zur Jugendbibliothek  hinauf und übten sich im aufreizenden Hüftgang. Ihr Blick war offen, sie lächelten etwas ins Leere und suchten ihr Publikum.  Die Direktorin stand am Aufzug und merkte auf: „Mmmh, hier riecht aber jemand gut!“, sagte sie.

„Das sind wir!“, sagten die beiden zutraulich und lächelten süß. „Wir waren nämlich gerade bei Douglas, haben dort alles ausprobiert und uns geschminkt, weil wir doch in die Jungenbücherei wollten. Wo sind denn hier die Jungs? Und wo ist die Mädchenbücherei?“

Beide klapperten so liebreizend mit den Augen, dass die Direktorin es aufrichtig bedauerte, dass gerade keine Jungs in der Jugendbücherei waren.

Vom langsamen Verfertigen der Wahrheit während des Lügens.

Mittwoch, 25. Februar 2009 um 18:18

Die beiden saßen in der Jugendbibliothek am Internet-PC und lachten sich schief! Die Bibliotheksdirektorin freute sich über die gut gelaunte Kundschaft.  Sie näherte sich und fragte natürlich zuerst nach dem gültigen Bibliotheksausweis. Die beiden sympathischen Jungs  mit Migrantenhintergrund verfielen schlagartig in die Comicsprache:

„Aääh, der da!“ – „Häh, ich? Nä, du!“ – „Ey, wieso ich!?“

Es kam heraus, dass der große Dunkle ordentlich angemeldet war. Der kleine Kräftige aber, der sein Alter mit 15 Jahren angab,  druckste irgendwie herum und faselte von „so einem komischen Buch“.  Die Direktorin merkte, dass da was im Busch war, und prüfte jetzt mit ernstem Blick …

Weiterlesen…

Ordnung muss sein.

Sonntag, 16. November 2008 um 23:08

Der Junge war vielleicht 6 Jahre alt und hatte schon ein markantes Gesicht. Zielsicher schritt er an die Theke der Kinderbibliothek und traf auf die Bibliotheksdirektorin.

„Kann ich bitte eine eine Eintrittskarte zu der Vorleseaktion ‚Theke oder Tonne‘ bekommen?“ Die Direktorin erfreute sich an der wohlfeilen Formulierung,  führte seinen Wunsch aus und verlangte den Eintrittspreis: 5 Cent – der Rabatt war schon abgezogen.

Das Kerlchen hatte die 5 Cent schon parat, nahm die Eintrittskarte entgegen und blickte die Direktorin mit gerunzelter Stirn an. „Stimmt etwas nicht?“ fragte sie. Weiterlesen…

Eine Düsenjäger-Oma.

Sonntag, 15. Juni 2008 um 23:12

Die Vorlesestunde galt schon als verpatzt, als die Bibliotheksdirektorin die Kinderbibliothek betrat: „Die Schüler, die heute vorlesen sollten, sind nicht erschienen, und das Vorlesebuch und auch alle anderen Raupenbücher sind ausgeliehen! Was sollen wir denn jetzt machen?“

Alle liefen und riefen durcheinander, und panische Ratlosigkeit stand in den Gesichtern: Vor der Tür warteten 20 Vorlese-Club-Kinder, die pünktlich um 15 Uhr zur Raupenvorlesestunde reingelassen werden wollten.

Die Direktorin schob den betreuenden Lehrer freundlich zur Seite und gab vier Kommandos: Weiterlesen…

Doch lieber Lotto.

Sonntag, 06. April 2008 um 00:59

Sie waren 15 bis 17 Jahre alt, cool gekleidet und unterhielten sich angeregt. Die Stadtbibliothek betraten sie mit den Worten: „Ach Du Scheiße!“

Beim Rechtsabbiegen in die Kinderbibliothek wurden sie jedoch gestört – die Bibliotheksdirektorin rief ihnen hinterher: „Hey Jungs! Kulturelle Einrichtung! Wortschatz überprüfen!“ Mit einem aussagekräftigen „Hä?“ plumpsten alle auf das nächstliegende Sofa, streckten die Beine von sich und rückten die Käppis wieder grade. Nur einer trug die Haare offen, dafür fett gestylt.

10 Minuten später rauschte Madame Bibliotheksdirektorin wieder vorbei und sah nur noch einen Jungen auf dem Sofa. Ein zweiter lümmelte vor der Kindertoilette herum, und der dritte saß wohl gerade drauf. „Sagt mal, geht ihr hier eigentlich nur zum Klo oder macht ihr auch was anderes?“ Nach irritierten Blicken und einem „Hä, warum fragt die das?“ entwickelte sich doch noch ein erbauliches Gespräch …

Weiterlesen…

Ritter ohne Langeweile.

Freitag, 15. Februar 2008 um 00:17

Dreizehnjährige Jungs können wirklich goldig sein!

Oft finden sie das Lesen voll blöd, haben aber meistens Mamas, die es als eine hohe Tugend preisen.

Der Ausspruch „Junge, lies doch mal was!“ ist für die jungen Herren allein schon nervend, wenn sich die Mamas dann aber erheben und kleine Bücherkisten zur Leseförderung des Sohnemanns in der Bibliothek bestellen, tritt Alarmstufe Rot ein.

Doch damit ist es nicht getan – die lesefördernden Mamas wollen jetzt, dass die werte Nachkommenschaft auch noch einen Bücherwunschzettel erstellt, damit die Bücherkiste ordentlich gefüllt werden kann.

„Och Mama! Was soll ich denn da schreiben? Ich finde Lesen echt anstrengend! Muss ich das wirklich machen?“

All das erzählte die betreffende Mama und überreichte der Bibliotheksdirektorin den mageren Wunschzettel. Was stand drauf?

Thema Ritter

soll in England spielen

Sprache: Deutsch

höchstens 250 Seiten!

keine langweiligen Stellen!

Da hatte die Bibliotheksdirektorin was zu tun! Langweilige Bücher mit mehr als 250 Seiten gibt es nämlich wie Sand am Meer. ;-)

Ältere Einträge

 

Waschzettel.

Gibt es Menschen, die noch glauben, wir BibliothekarInnen führten ein geruhsames und beschauliches Leben? Dann schauen Sie doch hier öfter ’mal rein! Ich werd’ Ihnen was erzählen!

Bild zum About-Text