Kategorie Leseförderung.

Buttern im Gebüsch.

Dienstag, 27. Juli 2010 um 14:35

Unsere Bibliotheksdirektorin freute sich auf ihre jährliche Hexen-Wanderung: „Lesen im Gebüsch“ war ausverkauft und 32 Grundschulkinder marschierten  bei schönstem Wetter  los.

Die Mädchen waren in der Überzahl und begannen sofort damit,  einen Blumenstrauß aus Butterblumen zu pflücken.  Damit verfehlten sie zwar das naturkundliche Lernziel, hatten aber zum Ausgleich extra schöne Schuhe  angezogen: rosafarbene  Ballerinas und weiße Glitzersandalen. Die Butterblumen wurden jedoch bald langweilig, denn jetzt sollten alle Kids das Sitzen üben, ohne dass der Popo den Boden berührt. Das klappte allerdings nur bergauf; bergab plumpsten alle, die es ausprobierten, auf den Allerwertesten und kugelten den Hang herunter. Dann musste ganz rasch „Indianerpflaster“ gefunden werden: Gina hatte sich das Bein aufgeschürft, und beim Brennesseltest war einigen Kindern das beherzte  Zupacken nicht auf Anhieb gelungen.

Das Einsammeln der Johanniskrautblüten, das so gut gegen traurige Gefühle hilft, hatten die Jungs komplett verpasst: Für sie war die Wanderung schon deshalb großartig, weil sie mit einem Stock das wuchernde Gebüsch niedermachen durften. Als sie aber die Füße zur Erfrischung in einen Murmelbach halten sollten, mussten das die „Oberhexen“  erstmal vormachen.

„Bevor wir die nächste Geschichte vorlesen,  brauchen wir einen stärkenden Zaubertrank!“ rief die Zauber-Direktorin ihren Lehrlingen zu. Weiterlesen…

Herkunftsfrage.

Donnerstag, 01. April 2010 um 23:15

Der stille Junge mit den großen Augen hatte in der arabisch-deutschen Vorlesestunde  für Kinder ab vier  Jahren alles verstanden.

Mohammed, der Vorlesepate,  hatte  zuerst sein arabisches Kopftuch aus der Tasche geholt, erklärt,  warum das bei Sonne, Wind, Kälte und Hitze so praktisch ist, und gezeigt, wie man es auf dem Kopf gut festbindet.  Dann kam das Vorlesen – wunderschön  – Applaus von der Kinderschar! Das Aussprechen arabischer Wörter klappte auch bei unserer Bibliotheksdirektorin ganz gut und dann ging das Erzählen los,  auf arabisch und deutsch.

Irgendwann kam die Frage auf, aus welchem Land denn die Kinder oder deren Eltern und Großeltern  stammen. Der Kleine verstand die arabischen Sätze, nickte still, sagte aber nichts. Die vielen arabischen und deutschen Sätze entlockten ihm kein Wort, er schwieg, nicht trotzig, eher erstaunt. Alle großen und kleinen Zuhörer waren nun sehr gespannt darauf, woher der Junge käme. Und in die gespannte Stille hinein antwortete der Junge mit glasklarer Stimme: „Blumenstraße!“

Hilfskräfte.

Samstag, 26. Dezember 2009 um 20:14

Die Bibliotheksdirektorin hatte in  Kinderbibliothek ein großes Chaos veranstaltet. Alle Kassetten waren aus den Trögen geräumt, mindestens die Hälfte sollte aus dem Bestand genommen werden. Hier hatte sie die Serien mit Hanni und Nanni, den Drei ??? und der Hexe Lilli aufeinander gestapelt, dort lagen alle Preußler-Kassetten nebeneinander, Astrid Lindgren war schon dreimal umgefallen und Erich Kästner war auch aufgeschichtet.  Mit zwei Bücherwagen hatte sie sich eingedeckt, doch das reichte nicht: Auch der Boden zu ihren Füßen war voll, sie konnte kaum noch treten. Genau in dem Augenblick kam ein kleiner Knirps angerobbt: „Kann ich die Biene Majas haben?“

„Ok, nimm sie Dir“, gab sie die alten Kassetten nochmal zu Ausleihe frei. Drei weitere Jungs guckten auch ganz interessiert und durften 6 TKKG-Kassetten einpacken. Die Olchies fanden auch auf einmal neue Liebhaber, denn es war wie immer: Soll etwas weggeworfen werden, wird es auf einmal wieder interessant für die kleine Kundschaft. Kinder sind da wie Katzen, je chaotischer der Laden ist, desto besser …

Aber dann kamen Sven und Lars, zwei Fans der Direktorin. „Was machst Du da?“, fragten sie zutraulich. „Können wir dir helfen?“ Voller Vorfreude guckten die beiden Brüder die Direktorin an.

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Lesemotivation.

Samstag, 14. November 2009 um 01:40

Für unsere Bibliotheksdirektorin war im Rahmen der bundesweiten Bibliothekswoche „Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“ Nachtarbeit angesagt. An 8 Veranstaltungstagen mit 11 Aktionen begrüßte sie die zahlreich erschienenen Gäste, rappte das Rumpelstilzchen und fiel um Mitternacht völlig erledigt ins Bett. Ein Highlight war der „Ohrclip“ des WDR 5 mit Frank Schätzing und Elke Schmitter. 170 Besucherinnen und Besucher hatten sich angemeldet, es gab Sekt, Selters, Saft und Bionade.

„Mmmh, lecker!“, fand Herr Schätzing und schnappte sich gleich ein Fläschchen Öko-Limo. Die Gäste bedienten sich ebenso, fanden auch die Knabbereien lecker und alles war prima.

Zwei Tage später stand der Vortrag „Was ist eigentlich ‚Gute Literatur‘?“ auf dem Programm. Auch zwei außergewöhnlich aussehende Männer hatten sich diesmal eingefunden, zögerten aber etwas, den eigentlichen Vortragsraum zu betreten.

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Ein Wunder.

Donnerstag, 22. Oktober 2009 um 18:15

Der SommerLeseClub startete bereits zum dritten Mal und bekam eine neue Regel: Über jedes gelesene Buch musste ein Blogbeitrag auf der Jubiso veröffentlicht werden. Das langwierige und flüchtige Nacherzählen der Bücher sollte der Vergangenheit angehören.

Die Direktorin und ihre Editorin halfen den kleinen AutorInnen kräftig, formulierten mit, auch mal ganz neu oder völlig um. Sie hatten bis in die Nächte zu tun, erklärten Buttons und schalteten Beiträge frei – nie ohne motivierend zu gratulieren. Dabei entdeckten die beiden echte Naturtalente, Stilblütenblogger und faule Säcke, die nur das Minimum von drei Bücher ins Internet brachten. Der Administrator des Blogs, kurz admin genannt, hielt sich im Hintergrund, konzentrierte sich auf  Tipps aus dem formal-technischen Bereich und schickte Begrüßungsmails an die Neuen: Unterschrift admin.

Bei der Abschlussparty lernten sich dann alle bei Pizza Margherita kennen. Ein kleiner Fünftklässler schlich dabei immer um den admin herum. Als die Bibliotheksdirektorin ihn aufmunternd ansprach, purzelte es aus ihm heraus:

Der admin ist ja ein Mensch!

Der admin verbeugte sich lächelnd und reichte dem Kleinen die Hand.

High School der Ottografri.

Mittwoch, 09. September 2009 um 21:15

Die Bibliotheksdirektorin machte mal wieder Spätdienst in der Kinderbibliothek. Sie lehrte die Kids im ganzen Satz zu sprechen, rückte Klomünzen heraus, zählte 3-mal alle Spielkarten vom ‚Verrückten Labyrinth‘ und druckte für schüchterne Mädchen hübsche Jungs in Farbe aus. Sie half jedem auf die Sprünge, auch der Mutter, die für ihre 10-jährige Tochter die Hausaufgaben erledigte und die Ergebnisse der vor kurzem stattgefundenen Kommunalwahl brauchte.

Dann kam eine süßes, freundliches Mädchen zur Tür herein, das wohlerzogen nach dem „High School Musical“ fragte. Das Kind hatte alle Benimmregeln drauf. Die Direktorin freute sich und half sofort.

„Schau mal, hier ist der Katalog, da tippst Du einfach das ein, wonach Du suchst, drückst auf ‚Suchen‘ und dann klicken wir uns durch die angezeigte Liste, ja? Kannst Du denn ‚High School Musical‘ schreiben?“

„Ja klar!“, antwortete die Kleine  und legte los. Den Blick auf die Tastatur geheftet, tippte sie konzentriert und rief nach einer Weile: „Aber hier ist ja gar nichts!“

Die Direktorin wollte das nicht glauben, kehrte zum OPAC zurück und las folgende wunderschöne Buchstabenkreation:

hei scul mjusikal

Märchenstunde.

Donnerstag, 16. April 2009 um 23:12

Der Mann war in Fahrt, fuchtelte der Bibliotheksdirektorin mit einem Zettel vor dem Gesicht herum und sagte aufgebracht: „Also, das geht doch nicht! Man muss doch von einer Bibliothek erwarten können, dass sie nicht solche Fehler verbreitet!“

Mit Mühe erkannte die Direktorin, dass der flatternde Zettel ein Veranstaltungsflyer aus der eigenen Bibliothek war. Die  Ferienaktion ‚Listige Igel‘ war darauf angekündigt:  Sie selbst hatte den Text entworfen.

Jetzt landete der Zettel direkt unter ihrer Nase: „Schauen Sie doch mal hier, das stimmt doch gar nicht! Das Märchen der Gebrüder Grimm heißt nicht ‚Hans, mein Igel‘, sondern es heißt  ‚Hase und Igel‘! Wie können Sie denn solch einen Quatsch schreiben?“

Der Mann drehte sich wütend auf dem Absatz um und stapfte aufgebracht davon.

Das war sein Glück! Die Bibliotheksdirektorin hatte nämlich gerade ihre frechen fünf Minuten und die Antwort von Dieter Nuhr lag ihr schon auf der Zunge: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“

Vom langsamen Verfertigen der Wahrheit während des Lügens.

Mittwoch, 25. Februar 2009 um 18:18

Die beiden saßen in der Jugendbibliothek am Internet-PC und lachten sich schief! Die Bibliotheksdirektorin freute sich über die gut gelaunte Kundschaft.  Sie näherte sich und fragte natürlich zuerst nach dem gültigen Bibliotheksausweis. Die beiden sympathischen Jungs  mit Migrantenhintergrund verfielen schlagartig in die Comicsprache:

„Aääh, der da!“ – „Häh, ich? Nä, du!“ – „Ey, wieso ich!?“

Es kam heraus, dass der große Dunkle ordentlich angemeldet war. Der kleine Kräftige aber, der sein Alter mit 15 Jahren angab,  druckste irgendwie herum und faselte von „so einem komischen Buch“.  Die Direktorin merkte, dass da was im Busch war, und prüfte jetzt mit ernstem Blick …

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Wer lesen kann ….

Montag, 15. Dezember 2008 um 23:52

Die Direktorin war in München, um einen Workshop für 20 bayerische Kolleginnen und Kollegen zu halten.  In der ehrwürdigen Bayerischen Staatsbibliothek wirkte das Thema fast zu locker:  „Echt cool! Voll fett! Wie holt man Jugendliche in die Bibliothek?“ Der Veranstaltungsraum lag auf der sonst eher ruhigen  Direktionsetage der Staatsbibliothek, die unter anderem auch Inkunabeln und andere Kostbarkeiten sammelt und für die Nachwelt konserviert. Die Schätze sind wertvoll, dementsprechend leise und ehrerbietig benimmt sich die Nutzerschaft.

Die Direktorin schaffte es in der knapp bemessenen Mittagspause, Einlass in die Bibliothek zu erhalten. Der erste Security-Mann ließ sie passieren, da ein Kollege der bayerischen Fachstelle für Bibliotheken für sie bürgte.  Erwartungsvoll betrat sie den riesigen Lesesaal, hob vorsichtig die Füße und versuchte, geräuschlos über den Teppichboden zu gleiten. Es war jedoch wie immer: Hunderte von Menschen dösten hier, schliefen, meditierten oder hingen einfach ab, einige müffelten vor sich hin, schätzungsweise die Hälfte las konzentriert.

Die Direktorin verließ den Schlafsaal und machte sich auf, die Schatzkammer zu erkunden. Auch der zweite Security-Mann ließ sie ein, klaute ihr dafür aber die Handtasche. Der Lesesaal der Schatzkammer war es jedoch wert: Allein die Bleibänder zum Beschweren der großen Folianten waren beeindruckend. Ein Buch zum Angucken hätte allerdings vorab per Leihschein bestellt werden müssen. Also zog die Direktorin wieder ab und schaute sich gleich hinterm Eingang die kleine Vitrinenausstellung wertvoller Handschriften an. Der Raum war abgedunkelt und klimatisiert und hatte zwei Besucher: Eine ältere Dame nebst … Weiterlesen…

Ordnung muss sein.

Sonntag, 16. November 2008 um 23:08

Der Junge war vielleicht 6 Jahre alt und hatte schon ein markantes Gesicht. Zielsicher schritt er an die Theke der Kinderbibliothek und traf auf die Bibliotheksdirektorin.

„Kann ich bitte eine eine Eintrittskarte zu der Vorleseaktion ‚Theke oder Tonne‘ bekommen?“ Die Direktorin erfreute sich an der wohlfeilen Formulierung,  führte seinen Wunsch aus und verlangte den Eintrittspreis: 5 Cent – der Rabatt war schon abgezogen.

Das Kerlchen hatte die 5 Cent schon parat, nahm die Eintrittskarte entgegen und blickte die Direktorin mit gerunzelter Stirn an. „Stimmt etwas nicht?“ fragte sie. Weiterlesen…

Ältere Einträge

 

Waschzettel.

Gibt es Menschen, die noch glauben, wir BibliothekarInnen führten ein geruhsames und beschauliches Leben? Dann schauen Sie doch hier öfter ’mal rein! Ich werd’ Ihnen was erzählen!

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