Kategorie Menschen.

Alles Kunst.

Freitag, 03. September 2010 um 23:35

Die Bibliotheksdirektorin hatte am Abend wieder mal zu tun: Eine  Ausstellungseröffnung mit drei jungen Fotografen war geplant, und es lief gut! 90 Besucherinnen und Besucher waren pünktlich um 19 Uhr erschienen. Nach vier knackig kurzen Reden tranken alle  Wein, Saft oder Selters und gruppierten sich um die  Fotos. „Vom Zukunftsentwurf zum Artefakt – das Turmzentrum im Rückbau“ dokumentierte die Schließung des geliebtes Karstadt-Kaufhauses und regte alle an, miteinander zu reden und festzustellen, dass man nun kaum noch weiß, wo man Socken, Handtücher oder einen neuen Mülleimer kaufen könnte. Die Bibliotheksdirektorin war überall und nirgends und bemerkte einen älteren Herrn. Schon eine gute Viertelstunde lang blickte dieser gedankenverloren auf den Flucht- und Rettungswegeplan der Bibliothek, der den Ausstellungswänden gegenüber angebracht war. Nach einer Weile tippte sie ihm vorsichtig auf die Schulter:

„Hallo, die Fotos der Ausstellung hängen hinter Ihnen!“ Der Mann blickte sich um. „Tatsächlich? Und gerade hatte ich noch den Rettungsplan von Karstadt kapiert!“

Vom „Schwarzen Loch“.

Samstag, 29. Mai 2010 um 23:44

Bibliotheken sind Orte des Wissens: Hier werden Informationen jeder Art gesammelt, aufbereitet und weitergegeben. Doch manchmal gehen bei der Arbeit hier und da gewisse Dinge verloren und werden nie wieder gesehen: neueste Zeitschriftenhefte, die Sackkarre, der Hammer der Bibliotheksdirektorin, die Fernbedienung, nagelneue Sitzkissen, Bücher, Filme, Möbelhunde, Koalaplüschbären oder ganze Teppichrollen.

Die Bibliotheksdirektorin vermutete schon lange, dass sich in ihrem Haus irgendwo ein Schwarzes Loch aufgetan hatte, das wahllos Gegenstände aufsaugt und in sich verschwinden lässt.

Vor ein paar Tagen suchte sie die silbernen Kuchenplatten: Bei einer Lesung sollte Knabberzeug hübsch dekoriert angeboten werden. Nachdem sie die Bibliothek einmal durchkämmt und alle möglichen Liegenbleib-Orte inspiziert hatte, landete sie wieder in der Küche, wo sie die Platten schon zu Beginn vergeblich gesucht hatte. Sie ließ ihren Blick schweifen, öffnete jeden Schrank und jede Schublade: Nichts! Keine Silberplatten zu sehen!

„Dann können die Dinger ja nur oben auf den Hängeschränken liegen!“, sagte sie laut zu sich selbst, schnappte sich einen Stuhl und krabbelte auf halsbrecherische Art auf die Anrichte.

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Styling ist alles.

Donnerstag, 08. April 2010 um 22:58

Unsere Direktorin war mal wieder im Fernsehen. Der lokale Sender brauchte in der Ferienzeit einen Studiogast, das Thema hieß „Bookcrossing mit 1.000   Büchern am Ostersonntag“, und so verbrachte sie den Karsamstag bei Filmaufnahmen. Morgens fand der Dreh vor Ort statt, am Abend war dann der Liveauftritt im Fernsehstudio des Lokalsenders.

Schön geschminkt und zurechtgemacht verließ die Bibliotheksdirektorin die Maske und betrat das Studio: Der Lippenstift glänzte, die Haare hübsch frisiert und das Rouge zauberte eine kleine Frische auf das mittlerweile etwas ermüdete Gesicht. Abgepudert und aufgedreht beantwortete sie kompetent und aufmerksam die Bookcrossing-Fragen der Moderatorin.

Zwei Tage später wurde die Direktorin in der Bücherei verfolgt. „Waren Sie das nicht letztens im Fernsehen?“ fragte ein älterer Herr, der sie die Treppe hinauf verfolgt hatte und Blickkontakt suchte.  „Sie haben doch über so Bücher gesprochen!“ Die Direktorin nickte, lächelte und freute sich, dass das Thema in den Grundzügen verstanden worden war.

Kurze Zeit später wurde sie von einer Oma am Ärmel gepackt und festgehalten. „Sie waren letzten Samstag im Fernsehen! Ich hab’ Sie gesehen! Dat waren doch Sie, oder?“ Die begeisterte Oma hielt die Direktorin einfach am Pullover fest und zog ihr den Ärmel immer wieder herunter.

„Ja, Sie haben recht! Wie hat Ihnen denn der Beitrag gefallen?“, fragte die Direktorin zurück.

„Och, wissen S’e, ich war beim Bügeln und hab’ nich ganz hingehört.  Aber d’e Haare hatten S’e schön!“

Alte Bücher an Elektroschrott.

Dienstag, 16. März 2010 um 22:54

Die Menschen haben freundliche Vorstellungen vom Arbeitsleben einer Bibliohteksdirektorin. Hier eine kleine Kostprobe.

Noch im Mantel und vor Eroberung des Arbeitsplatzes findet die erste Besprechung über den Bestseller „Irre“ auf auf der Treppe statt. Der Messebesuch der Azubine wird dabei auch schnell abgeklärt und die Praktikantin lernt – ruck, zuck – wie das  Lochen von vier Löchern geht.

Jetzt den Rechner anschalten, Mantel ausziehen, Luft holen und die Krankmeldungen sichten. Ah, fünf Leute wollen zurückgerufen werden, doch dazu kommt die Direktorin vorerst nicht.  Der Mann am anderen Ende der Leitung ist schneller und will unserer Direktorin eine Beschallungsanlage zum Verleihen an ihre Kundschaft schmackhaft machen. Braucht sie die? Nö!

Kurze Zeit später versuchen am Telefon diverse weibliche Leseratten der frechen Art, ein Engagement in der Stadtbibliothek zu ergattern. Hat die Direktorin Geld dafür? Nö!

Dann ruft ein Händler aus Leipzig an: Alte Bücher will er verkaufen – Gott sei Dank hat die Bibliotheksdirektorin davon selbst genug und sagt: Nö!

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Entspannung am Abend.

Samstag, 12. Dezember 2009 um 17:33

Zur geistigen Erbauung veranstalten Bibliotheken immer mal wieder Autorenlesungen. Das Publikum kommt gerne und die Bibliotheksdirektorin begrüßt alle Gäste persönlich beim  Eintreffen. Sie ist schon seit 2 Stunden da, hat den Job des Hausmeisters mal eben selbst erledigt, das Lesecafé umgeräumt  und mehr als 50 Stühle hübsch an Tischen platziert. Die Salzstangen sind verteilt, Gummibärchen und Salzlakritze liegen zum Naschen auf den Tischen,  und die  Getränke stehen zur Selbstbedienung parat. So langsam füllt sich der Raum: Fast 60  Zuhörerinnen sind da, allein die Autorin fehlt. Diese kommt aus der benachbarten Großstadt; unsere Direktorin wird nun langsam nervös. Auf der Straße ist nichts zu sehen – doch schon in fünf Minuten soll es losgehen. Frierend steht die Direktorin vor dem Eingang herum:  Hopsen, Springen und Winken ist jetzt angesagt, sobald der Wagen der Autorin erkannt wird, damit diese weiß, wo’s rein geht und nicht womöglich am Eingang der Bibliothek vorbeirauscht.

Um „10 nach“ ruft die Direktorin schließlich auf dem Handy der Autorin an: „Ich bin kurz vorm Ziel. Wir hatten uns verfahren!“,  kommt die fröhliche Antwort.

Es folgt eine kurze Ansage für das wartende Publikum, und um „20 nach“ ist es endlich so weit. Die sympathische Autorin ist gelandet, holt 3-mal Luft und legt los. Die Bibliotheksdirektorin sinkt auf einen Stuhl, freut sich auf eine kurzweilige Lesung und macht es sich gemütlich. Weiterlesen…

Ein Wunder.

Donnerstag, 22. Oktober 2009 um 18:15

Der SommerLeseClub startete bereits zum dritten Mal und bekam eine neue Regel: Über jedes gelesene Buch musste ein Blogbeitrag auf der Jubiso veröffentlicht werden. Das langwierige und flüchtige Nacherzählen der Bücher sollte der Vergangenheit angehören.

Die Direktorin und ihre Editorin halfen den kleinen AutorInnen kräftig, formulierten mit, auch mal ganz neu oder völlig um. Sie hatten bis in die Nächte zu tun, erklärten Buttons und schalteten Beiträge frei – nie ohne motivierend zu gratulieren. Dabei entdeckten die beiden echte Naturtalente, Stilblütenblogger und faule Säcke, die nur das Minimum von drei Bücher ins Internet brachten. Der Administrator des Blogs, kurz admin genannt, hielt sich im Hintergrund, konzentrierte sich auf  Tipps aus dem formal-technischen Bereich und schickte Begrüßungsmails an die Neuen: Unterschrift admin.

Bei der Abschlussparty lernten sich dann alle bei Pizza Margherita kennen. Ein kleiner Fünftklässler schlich dabei immer um den admin herum. Als die Bibliotheksdirektorin ihn aufmunternd ansprach, purzelte es aus ihm heraus:

Der admin ist ja ein Mensch!

Der admin verbeugte sich lächelnd und reichte dem Kleinen die Hand.

Der Opa und die Sophie.

Dienstag, 22. September 2009 um 00:10

„Ich habe die Sophie ganz bestimmt abgegeben!“

Der gepflegte Kunde war sehr höflich und wusste noch genau, dass er kurz vor seinem Skiurlaub die Bibliothek aufgesucht und alle Medien abgegeben hatte. Die Bibliotheksdirektorin merkte vor, guckte im Regal, guckte im Rücksortierraum, guckte in der Kinderbibliothek und  stellte die Jugendbibliothek auf den Kopf : Nichts! Die Sophie war wie vom Erdboden verschwunden!  Es war wirklich zum Verzweifeln! Ab Karneval kam der Kunde nun monatlich und fragte nach der Sophie.

„Ja, kann sie nicht doch noch bei Ihnen zu Hause sein?“ fragte die Direktorin vorsichtig.

„Nein, ganz bestimmt nicht!  Wir haben alles auf den Kopf gestellt, sie muss in der Bibliothek sein!“

Die Besuche des Kunden wurden seltener. Es kamen der Frühling, der Sommer und der Herbst mit seinen Nebeln.

Mitte September war der Mann wieder da und siehe da:  Er hatte die gesuchte Sophie in der Hand und wedelte stolz damit herum. Es handelte sich übrigens  um die DVD  „Sophie Scholl – die letzten Tage“.

Der Opa der Familie hatte die Sophie – ohne es zu merken – seit Februar in seinem Einkaufsbeutel durch die Stadt getragen. Wie der Film in Opas Beutel kam, wird auch dem Opa für immer ein Rätsel bleiben. ;-)

Tomatentage und Flugtage.

Freitag, 04. September 2009 um 00:16

Tomatentage sind Fitnesstage – die Direktorin liebt sie:

  • Gleich morgens ist die Gruppe Vorschule aus dem Medienzentrum verschwunden: hingerannt, gefunden, Jottseidank.
  • Dann sind die Broschüren über den Bibliotheksgründer weg: losgerannt, gefunden, Jottseidank.
  • Kurz darauf ist „Das fliegende Klassenzimmer“ von 1954 perdu: hoch vom Stuhl, gefunden, Jottseidank.
  • Noch vor der Mittagspause wird „Kick it like Beckham“ vermisst: schneller Sprint, gefunden, Jottseidank.
  • Gegen 13 Uhr geht die Sucherei nach „Sinn und Sinnlichkeit“ los: In dem Fall hatte die Direktorin selbst Tomaten auf den Augen.

An Flugtagen wird nichts gesucht, sondern gefunden:

  • Morgens zwei  Paar Turnschuhe in der Kinderbibliothek,
  • mittags ein Gehstock am Hörbuchtrog und
  • am Abend dann eine Gehhilfe neben einer 10-Liter-Gießkanne.

Die können alle das Gebäude nur fliegend verlassen haben. Und watt lernt uns datt? – Lesen beflügelt!

Die Perle.

Mittwoch, 14. Januar 2009 um 22:08

Bibliotheksdirektorinnen arbeiten hart und bis tief in die Nacht. Konzepte, Zielkataloge und strategische Planungen gelingen oft erst, wenn die Kundschaft nach Hause gegangen ist. Ein paar Stunden später geht dann auch die Direktorin heim. Die Hausarbeit wird dann im Galopp erledigt: Diverse Maschinen spülen und waschen, einmal pro Woche kommt professionelle Hilfe, nennen wir sie mal "die Perle". Die Perle bekommt alles sauber, schrubbt und wischt die Badewanne und den Boden. Wenn sie damit fertig ist, sucht sie sich ein paar verschmierte Fenster oder wäscht Schränke aus – sie ist frei in ihren Entscheidungen und beginnt dort, wo es am schmutzigsten zu sein scheint. Diesmal fiel ihr Blick auf das große Bücherregal …

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Verstaubt am Strand.

Samstag, 11. Oktober 2008 um 19:29

Auch eine Direktorin macht mal Urlaub! Im Koffer lag für jeden Tag ein Schmöker, weshalb die Kofferwaage am Flughafen deutliche 24,5 kg anzeigte. Zum Glück kam sie damit ohne Nachzahlung durch und landete wenige Stunden später am Meer.

Das Ferienprogramm war übersichtlich: baden, rumliegen, lesen, schlafen, sonnenbaden, dösen, Ziegen angucken, frischen Saft trinken und lecker essen. Abends ging das internationale Publikum an die Bar und bis auf wenige Ausnahmen sprachen nur die Briten ein einwandfreies Englisch. Das machte aber nichts, denn die Livemusik übertönte alle Sprachprobleme. Am 5. Abend schaffte es die kleine, blonde Sängerin, dass alle, wirklich alle Gäste aus den Sesseln zum Hopsen kamen.

Da tanzten … Weiterlesen…

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Waschzettel.

Gibt es Menschen, die noch glauben, wir BibliothekarInnen führten ein geruhsames und beschauliches Leben? Dann schauen Sie doch hier öfter ’mal rein! Ich werd’ Ihnen was erzählen!

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