Kategorie Humor.

Wilde Kerle im Gebüsch.

Sonntag, 11. Juli 2010 um 22:07

Unsere Bibliotheksdirektorin machte mal wieder Telefondienst, um ihre Theke zu entlasten:  Verlängerungen, Veranstaltungsauskünfte, Vormerkwünsche – alles kein Problem, das macht viel mehr Spaß, als Haushaltssicherungskonzepte zu bearbeiten.  Das Telefon bimmelte ununterbrochen und die Direktorin ging jedes Mal fröhlich dran:

  • „Können Sie mir mal meine Bücher verlängern?“

Klar, kann das die Direktorin, die Leihfrist verlängert sie gleich mit.

  • „Sind beim Gebüsch noch Karten da?“

Schnell wird geklärt, ob  bei der literarischen Wanderung „Lesen im Gebüsch“ noch Restkarten vorhanden sind, und auch diese Mama ist zufrieden.

  • „Kann ich bei Ihnen mal ein bisschen vorlesen?“

Gerne notiert die Bibliotheksdirektorin den Namen der älteren Dame, um sie zum nächsten Vorleseworkshop einzuladen.

  • „Haben Sie was von Leonardo de Windschiet?“

Auch diesem jungen Mann wird geholfen: Die Trefferliste findet 56 Bücher und Filme über Leonardo da Vinci.

  • „Sagen Sie, ist mein Sohn gerade bei Ihnen?“

Der Hausgong mit Durchsage findet den jungen Mann: Er war bei den Mangas versackt und hatte das Mittagessen vergessen.

  • „Sind die wilden Kerle gerade da?“

Hier muss die Direktorin leider passen: „Bei uns arbeiten heute nur Frauen!“

Vom „Schwarzen Loch“.

Samstag, 29. Mai 2010 um 23:44

Bibliotheken sind Orte des Wissens: Hier werden Informationen jeder Art gesammelt, aufbereitet und weitergegeben. Doch manchmal gehen bei der Arbeit hier und da gewisse Dinge verloren und werden nie wieder gesehen: neueste Zeitschriftenhefte, die Sackkarre, der Hammer der Bibliotheksdirektorin, die Fernbedienung, nagelneue Sitzkissen, Bücher, Filme, Möbelhunde, Koalaplüschbären oder ganze Teppichrollen.

Die Bibliotheksdirektorin vermutete schon lange, dass sich in ihrem Haus irgendwo ein Schwarzes Loch aufgetan hatte, das wahllos Gegenstände aufsaugt und in sich verschwinden lässt.

Vor ein paar Tagen suchte sie die silbernen Kuchenplatten: Bei einer Lesung sollte Knabberzeug hübsch dekoriert angeboten werden. Nachdem sie die Bibliothek einmal durchkämmt und alle möglichen Liegenbleib-Orte inspiziert hatte, landete sie wieder in der Küche, wo sie die Platten schon zu Beginn vergeblich gesucht hatte. Sie ließ ihren Blick schweifen, öffnete jeden Schrank und jede Schublade: Nichts! Keine Silberplatten zu sehen!

„Dann können die Dinger ja nur oben auf den Hängeschränken liegen!“, sagte sie laut zu sich selbst, schnappte sich einen Stuhl und krabbelte auf halsbrecherische Art auf die Anrichte.

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Alte Bücher an Elektroschrott.

Dienstag, 16. März 2010 um 22:54

Die Menschen haben freundliche Vorstellungen vom Arbeitsleben einer Bibliohteksdirektorin. Hier eine kleine Kostprobe.

Noch im Mantel und vor Eroberung des Arbeitsplatzes findet die erste Besprechung über den Bestseller „Irre“ auf auf der Treppe statt. Der Messebesuch der Azubine wird dabei auch schnell abgeklärt und die Praktikantin lernt – ruck, zuck – wie das  Lochen von vier Löchern geht.

Jetzt den Rechner anschalten, Mantel ausziehen, Luft holen und die Krankmeldungen sichten. Ah, fünf Leute wollen zurückgerufen werden, doch dazu kommt die Direktorin vorerst nicht.  Der Mann am anderen Ende der Leitung ist schneller und will unserer Direktorin eine Beschallungsanlage zum Verleihen an ihre Kundschaft schmackhaft machen. Braucht sie die? Nö!

Kurze Zeit später versuchen am Telefon diverse weibliche Leseratten der frechen Art, ein Engagement in der Stadtbibliothek zu ergattern. Hat die Direktorin Geld dafür? Nö!

Dann ruft ein Händler aus Leipzig an: Alte Bücher will er verkaufen – Gott sei Dank hat die Bibliotheksdirektorin davon selbst genug und sagt: Nö!

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Der Opa und die Sophie.

Dienstag, 22. September 2009 um 00:10

„Ich habe die Sophie ganz bestimmt abgegeben!“

Der gepflegte Kunde war sehr höflich und wusste noch genau, dass er kurz vor seinem Skiurlaub die Bibliothek aufgesucht und alle Medien abgegeben hatte. Die Bibliotheksdirektorin merkte vor, guckte im Regal, guckte im Rücksortierraum, guckte in der Kinderbibliothek und  stellte die Jugendbibliothek auf den Kopf : Nichts! Die Sophie war wie vom Erdboden verschwunden!  Es war wirklich zum Verzweifeln! Ab Karneval kam der Kunde nun monatlich und fragte nach der Sophie.

„Ja, kann sie nicht doch noch bei Ihnen zu Hause sein?“ fragte die Direktorin vorsichtig.

„Nein, ganz bestimmt nicht!  Wir haben alles auf den Kopf gestellt, sie muss in der Bibliothek sein!“

Die Besuche des Kunden wurden seltener. Es kamen der Frühling, der Sommer und der Herbst mit seinen Nebeln.

Mitte September war der Mann wieder da und siehe da:  Er hatte die gesuchte Sophie in der Hand und wedelte stolz damit herum. Es handelte sich übrigens  um die DVD  „Sophie Scholl – die letzten Tage“.

Der Opa der Familie hatte die Sophie – ohne es zu merken – seit Februar in seinem Einkaufsbeutel durch die Stadt getragen. Wie der Film in Opas Beutel kam, wird auch dem Opa für immer ein Rätsel bleiben. ;-)

Vollständig abgerechnet.

Samstag, 16. Mai 2009 um 23:48

„Reisekostennachweis“ stand über dem unpersönlichen Ausdruck mit dem Zusatz „Kernverwaltung“ . Die Direktorin las mit Interesse:

Reiseziel:  9.2.2009 bis 9.2.2009 – 9 bis  bis 16:30 Uhr

Grund/Ort/Land: Dienstreise, Düsseldorf, Deutschland

Tätigkeit: sonstige

Tagegeld: Anzahl 1

Erstattungsbetrag in EUR: 0,00 (0,00 EUR Firma AbzgFi.)

Gesamtbeträge Tagegeld in EUR: 0,00

Gesamtbeträge Pauschalabrechnung in EUR: 0,00

Erstattungsbetrag in EUR: 0,00

Kostenzuordnung/Überzuleitender Reiseaufwand in EUR: 0,00

„Huch!“, dachte die Direktorin, „da muss ich aber aufpassen, dass ich nicht alles auf einmal ausgebe.“

Sie stutzte und schaute noch einmal aufs Datum. War sie nicht genau an diesem Tag ganz woanders gewesen? Sie prüfte ihren Kalender:

Tatsächlich! Sie war an dem Tag in Reutlingen und nicht in Düsseldorf! Der Geldsegen war gar nicht für sie bestimmt, sondern für eine Kollegin beim Bauamt.

Na, die wird sich aber freuen! ;-)

Die absolute Singlebörse.

Freitag, 10. April 2009 um 00:21

Der Punker sah ziemlich wüst aus, marschierte stracks  zur Anmeldung und ließ sich einen nagelneuen Bibliotheksausweis ausstellen. Er blickte staunend umher und meinte: „Boa, ist ja geil hier!“

Dann verlor die Bibliotheksdirektorin den bunten Vogel aus den Augen. Zwei Stunden später tauchte er wieder im Erdgeschoss an der Ausleihtheke auf. Mindestens 15 Bücher schob er freundlich zum Verbuchen rüber und strahlte über das ganze Gesicht.

„Hey, das ist ja noch geiler, als ich dachte! Das ist hier ja die absolute Singelbörse! Ich hab’ jetzt zwei Dates und  ’nen Stapel Bücher – ich komm’ jetzt öfter!“

Zicke am Strand.

Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 21:03

Die Direktorin genoss ihren Urlaub. Sie verschwieg nun lieber ihren Beruf und sprach stattdessen nur noch lose von der Medienbranche: e-papers, newspapers, e-books. Die frisch eingetroffenen Briten waren “just impressed”, der fidele Rentner war schon abgereist und das Lesen am am Strand erzeugte keine Verdachtsmomente.

Der Zickenüberfall passierte gegen 16 Uhr. Weit oben am Berg stehend hatten sie uns Strandbewohner tagelang beobachtet und stapften nun wild entschlossen bergab. Die Böcke sicherten in der letzten Kurve die Straße, am Zugang zum Strand hielten die kräftigsten Meckerziegen Wache und ließen ihre beste Zicke auf uns los, ein drahtiges beige-braunes Tier. “Määäh!”

Erschreckt sprangen die Urlauber von den Handtüchern. “Määäh!”

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Solo an der Ausleihtheke.

Montag, 08. September 2008 um 22:22

Bibliotheken sind Orte der Stille – zumindest versuchen sie das zu sein! Das soll durch Regeln, Hinweise oder auch den Einsatz entsprechender Geräte bewerkstelligt werden.

Zu diesen  Geräten gehören auch CD-Abhörstationen: Verteilt im ganzen Haus kann man dort stundenlang sitzen, träumen, sich ausruhen, mit den Füßen wippen, eine kleine Auszeit nehmen und derweil Hörbucher, Popmusik, Meditationsklänge oder anderes anhören.

Unsere Direktorin kam zur abendlichen Öffnungsstunde an die Ausleihtheke. Sie schaute sich irritiert um – sangen die Kolleginnen jetzt neuerdings bei der während der Ausleihe? Das musste aber noch besser werden! Ein genauer Blick genügte: Nein, die Damen lächelten, sangen aber nicht. „Wer singt denn da so schief?“ fragte sie staunend … Weiterlesen…

Von wahren Bürsten und Hühnertorten.

Montag, 18. August 2008 um 23:22

Die Direktorin war mal wieder sehr in Eile: Im Höbelmaus hatte sie noch schnell ein sotes Rofa ausgesucht, hatte den Püf-Trüvbericht kaum gelesen und platzte durchaus zu spät in die Sitzung.

„Ohne Silterfortware geht hier nix!“ rief sie schwungvoll und schaute suchend auf dem Tisch herum. „Ich will jetzt nicht in dasselbe Huhn torten, aber sonst verglaube ich die Liere an die Menschheit!

Wenn allerdings die Schokolade schon ille ast, dann gehe ich wieder, ok? Wenn euch gleich noch was einruft, dann fällt ihr an, oder soll ich gleich zurufrücken? Ich habe da noch einen mähnigen Säumer, der mir meine knapp befressene Meizeit stiehlt. Ein Bild muss ich auch noch aufhängen, aber das geht ja flott: Ich nehme einfach den Hammel und haue damit auf den Nager. Irgendwo in der letzten Kelle des Eckers habe ich einen gesehen …“ Weiterlesen…

Neueste Rechtschreibung, stilsicher.

Samstag, 03. November 2007 um 00:22

Die Kommunikation der kleinen und großen Kundinnen und Kunden mit ihrer Bibliotheksdirektorin ist immer wieder erheiternd!

Der kleine Schlauberger, der sich in der Kinderbibliothek schon mal langsam auf sein Leben als Superreicher vorbereiten wollte, scheiterte gleich im ersten Schritt daran, dass er nach “Milioneer” im Katalog suchte und natürlich nichts fand. Er war aber einsichtig und nickte ergeben, als die Direktorin ihm erklärte, dass er Millionär auch richtig schreiben können muss, wenn er einer werden will. Das sah er ein! ;-)

Wie alt der anonyme Schreiberling war, der die kaputte Benjamin-Blümchen-Kassette zurückgab, ist nicht zu erkennen. Die Mama hat aber wegen der schlechten Lesbarkeit das Wort “Defegt” noch mal deutlich Buchstabe für Buchstabe unter das Gekrakel ihres Juniors geschrieben. ;-)

Die großen Jungs sind jedoch am besten, wenn es darum geht, kreative Schreibformen zu entwickeln.

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Waschzettel.

Gibt es Menschen, die noch glauben, wir BibliothekarInnen führten ein geruhsames und beschauliches Leben? Dann schauen Sie doch hier öfter ’mal rein! Ich werd’ Ihnen was erzählen!

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