Hey Tüte!

Das öffentliche Iftar-Fastenbrechen der Muslime war in diesem Jahr sehr gut besucht.  Rund 400 Gäste waren der Einladung in den Stadtsaal gefolgt, lernten sich kennen oder verfestigten ihre internatiIMG_1360onalen Freundschaften. Ein Sponsor hatte sämliche Sitzplätze mit Papiertüten zum Mitnehmen dekoriert: Auf weißem Grund stand „I ♥ Türkiye“, das Herz war knallrot. Da es sonst kein Spielzeug gab, setzten sich die Kinder die Tüte verkehrt herum auf den Kopf und rumorten darin zur Erheiterung der übrigen Gäste herum.

Nach Gebeten, Gesängen und Informationen zum Ramadan begann das gemeinsame Essen, das mit einer köstlichen, roten Linsensuppe startete und mit süßen Leckereien endete.

Ich machte mich dann irgendwann satt und guter Dinge auf den Heimweg. Auf der Straße war viel los: Ein Rockkonzert im benachbarten Stadtwald war gerade zu Ende gegangen. Ein Mann rief mir etwas über die Straße hinweg zu. „Hey, geile Tüte!“

Meine gute Stimmung mischte sich sekundenschnell mit Ärger. „Wie bitte?  Geile Tüte? Ich? Das ist ja wohl die Höhe!“, schoss es mir durch den Kopf.  Ich schaute auf und sah einem lachenden, jungen Taxifahrer ins Gesicht. „Hey, geile Tüte!“ wiederholte er, deutete auf meinen Unterarm  und strahlte mich an. Oh nein! Jetzt kapierte ich es endlich! Der Mann meinte wirklich die Papiertüte, die jetzt an meinem Arm baumelte. Wie peinlich! Ich schenke sie ihm kurzerhand, worauf der Kumpel des Taxifahrers meinte: „Was willst Du mit der Tüte? Du bist Italiener?“

„Ist doch egal! Das ist eine superschöne Tüte!“entgegnete mein Taximann und schwenkte sie voller Freude hin und her. Ciao e grazie! Das Leben ist schön.

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