Buttern im Gebüsch.

Dienstag, 27. Juli 2010 um 14:35

Unsere Bibliotheksdirektorin freute sich auf ihre jährliche Hexen-Wanderung: „Lesen im Gebüsch“ war ausverkauft und 32 Grundschulkinder marschierten  bei schönstem Wetter  los.

Die Mädchen waren in der Überzahl und begannen sofort damit,  einen Blumenstrauß aus Butterblumen zu pflücken.  Damit verfehlten sie zwar das naturkundliche Lernziel, hatten aber zum Ausgleich extra schöne Schuhe  angezogen: rosafarbene  Ballerinas und weiße Glitzersandalen. Die Butterblumen wurden jedoch bald langweilig, denn jetzt sollten alle Kids das Sitzen üben, ohne dass der Popo den Boden berührt. Das klappte allerdings nur bergauf; bergab plumpsten alle, die es ausprobierten, auf den Allerwertesten und kugelten den Hang herunter. Dann musste ganz rasch „Indianerpflaster“ gefunden werden: Gina hatte sich das Bein aufgeschürft, und beim Brennesseltest war einigen Kindern das beherzte  Zupacken nicht auf Anhieb gelungen.

Das Einsammeln der Johanniskrautblüten, das so gut gegen traurige Gefühle hilft, hatten die Jungs komplett verpasst: Für sie war die Wanderung schon deshalb großartig, weil sie mit einem Stock das wuchernde Gebüsch niedermachen durften. Als sie aber die Füße zur Erfrischung in einen Murmelbach halten sollten, mussten das die „Oberhexen“  erstmal vormachen.

„Bevor wir die nächste Geschichte vorlesen,  brauchen wir einen stärkenden Zaubertrank!“ rief die Zauber-Direktorin ihren Lehrlingen zu. Weiterlesen…

Wilde Kerle im Gebüsch.

Sonntag, 11. Juli 2010 um 22:07

Unsere Bibliotheksdirektorin machte mal wieder Telefondienst, um ihre Theke zu entlasten:  Verlängerungen, Veranstaltungsauskünfte, Vormerkwünsche – alles kein Problem, das macht viel mehr Spaß, als Haushaltssicherungskonzepte zu bearbeiten.  Das Telefon bimmelte ununterbrochen und die Direktorin ging jedes Mal fröhlich dran:

  • „Können Sie mir mal meine Bücher verlängern?“

Klar, kann das die Direktorin, die Leihfrist verlängert sie gleich mit.

  • „Sind beim Gebüsch noch Karten da?“

Schnell wird geklärt, ob  bei der literarischen Wanderung „Lesen im Gebüsch“ noch Restkarten vorhanden sind, und auch diese Mama ist zufrieden.

  • „Kann ich bei Ihnen mal ein bisschen vorlesen?“

Gerne notiert die Bibliotheksdirektorin den Namen der älteren Dame, um sie zum nächsten Vorleseworkshop einzuladen.

  • „Haben Sie was von Leonardo de Windschiet?“

Auch diesem jungen Mann wird geholfen: Die Trefferliste findet 56 Bücher und Filme über Leonardo da Vinci.

  • „Sagen Sie, ist mein Sohn gerade bei Ihnen?“

Der Hausgong mit Durchsage findet den jungen Mann: Er war bei den Mangas versackt und hatte das Mittagessen vergessen.

  • „Sind die wilden Kerle gerade da?“

Hier muss die Direktorin leider passen: „Bei uns arbeiten heute nur Frauen!“

Vom „Schwarzen Loch“.

Samstag, 29. Mai 2010 um 23:44

Bibliotheken sind Orte des Wissens: Hier werden Informationen jeder Art gesammelt, aufbereitet und weitergegeben. Doch manchmal gehen bei der Arbeit hier und da gewisse Dinge verloren und werden nie wieder gesehen: neueste Zeitschriftenhefte, die Sackkarre, der Hammer der Bibliotheksdirektorin, die Fernbedienung, nagelneue Sitzkissen, Bücher, Filme, Möbelhunde, Koalaplüschbären oder ganze Teppichrollen.

Die Bibliotheksdirektorin vermutete schon lange, dass sich in ihrem Haus irgendwo ein Schwarzes Loch aufgetan hatte, das wahllos Gegenstände aufsaugt und in sich verschwinden lässt.

Vor ein paar Tagen suchte sie die silbernen Kuchenplatten: Bei einer Lesung sollte Knabberzeug hübsch dekoriert angeboten werden. Nachdem sie die Bibliothek einmal durchkämmt und alle möglichen Liegenbleib-Orte inspiziert hatte, landete sie wieder in der Küche, wo sie die Platten schon zu Beginn vergeblich gesucht hatte. Sie ließ ihren Blick schweifen, öffnete jeden Schrank und jede Schublade: Nichts! Keine Silberplatten zu sehen!

„Dann können die Dinger ja nur oben auf den Hängeschränken liegen!“, sagte sie laut zu sich selbst, schnappte sich einen Stuhl und krabbelte auf halsbrecherische Art auf die Anrichte.

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Julia und Romeo.

Freitag, 30. April 2010 um 15:13

Der junge Mann hing schon seit einer halben Stunde auf dem Geländer des Lesegartens und schaute in die Einkaufspassage herunter. Weiße Haut, schwarze Klamotten, hohe  Schuhe: Fast regungslos beobachtete er die Menschen, die unter ihm herliefen.

Die Bibliotheksdirektorin wurde etwas misstrauisch und beschloss, eine Viertelstunde später wieder nachzuschauen, ob der seltsame Beobachter noch da wäre. Tatsächlich, er stand unverändert an derselben Stelle und starrte nach unten.

Da Rumstehen und Rumgucken ja nun wirklich nichts Schlimmes ist, trollte sie sich erstmal. Weitere 10 Minuten später war sie wieder im Hause unterwegs: Der schwarze Jüngling stand immer noch wie eine Statue in der Ecke des Lesegartens. Die Direktorin tippte ihm auf die Schulter.

„Sagen Sie bitte: Was machen Sie denn hier, und wen beobachten Sie  genau?“

Der junge Mann zuckte zusammen, verdrehte sich etwas und sagte freundlich:  „Meine Freundin ist seit einer Stunde da unten im Dessousladen und kommt nicht wieder raus. Ich will sie nicht verpassen. Oh, da kommt sie gerade! Julia! Julia! Hier oben bin ich! Hiieer, auf dem Balkon! Hallo, Julia, hier oben! Ich komme runter!“

Und Romeo lief freudig seiner Liebsten entgegen, die eine hübsche Tüte voller liebreizender Unterwäsche trug.

Styling ist alles.

Donnerstag, 08. April 2010 um 22:58

Unsere Direktorin war mal wieder im Fernsehen. Der lokale Sender brauchte in der Ferienzeit einen Studiogast, das Thema hieß „Bookcrossing mit 1.000   Büchern am Ostersonntag“, und so verbrachte sie den Karsamstag bei Filmaufnahmen. Morgens fand der Dreh vor Ort statt, am Abend war dann der Liveauftritt im Fernsehstudio des Lokalsenders.

Schön geschminkt und zurechtgemacht verließ die Bibliotheksdirektorin die Maske und betrat das Studio: Der Lippenstift glänzte, die Haare hübsch frisiert und das Rouge zauberte eine kleine Frische auf das mittlerweile etwas ermüdete Gesicht. Abgepudert und aufgedreht beantwortete sie kompetent und aufmerksam die Bookcrossing-Fragen der Moderatorin.

Zwei Tage später wurde die Direktorin in der Bücherei verfolgt. „Waren Sie das nicht letztens im Fernsehen?“ fragte ein älterer Herr, der sie die Treppe hinauf verfolgt hatte und Blickkontakt suchte.  „Sie haben doch über so Bücher gesprochen!“ Die Direktorin nickte, lächelte und freute sich, dass das Thema in den Grundzügen verstanden worden war.

Kurze Zeit später wurde sie von einer Oma am Ärmel gepackt und festgehalten. „Sie waren letzten Samstag im Fernsehen! Ich hab’ Sie gesehen! Dat waren doch Sie, oder?“ Die begeisterte Oma hielt die Direktorin einfach am Pullover fest und zog ihr den Ärmel immer wieder herunter.

„Ja, Sie haben recht! Wie hat Ihnen denn der Beitrag gefallen?“, fragte die Direktorin zurück.

„Och, wissen S’e, ich war beim Bügeln und hab’ nich ganz hingehört.  Aber d’e Haare hatten S’e schön!“

Herkunftsfrage.

Donnerstag, 01. April 2010 um 23:15

Der stille Junge mit den großen Augen hatte in der arabisch-deutschen Vorlesestunde  für Kinder ab vier  Jahren alles verstanden.

Mohammed, der Vorlesepate,  hatte  zuerst sein arabisches Kopftuch aus der Tasche geholt, erklärt,  warum das bei Sonne, Wind, Kälte und Hitze so praktisch ist, und gezeigt, wie man es auf dem Kopf gut festbindet.  Dann kam das Vorlesen – wunderschön  – Applaus von der Kinderschar! Das Aussprechen arabischer Wörter klappte auch bei unserer Bibliotheksdirektorin ganz gut und dann ging das Erzählen los,  auf arabisch und deutsch.

Irgendwann kam die Frage auf, aus welchem Land denn die Kinder oder deren Eltern und Großeltern  stammen. Der Kleine verstand die arabischen Sätze, nickte still, sagte aber nichts. Die vielen arabischen und deutschen Sätze entlockten ihm kein Wort, er schwieg, nicht trotzig, eher erstaunt. Alle großen und kleinen Zuhörer waren nun sehr gespannt darauf, woher der Junge käme. Und in die gespannte Stille hinein antwortete der Junge mit glasklarer Stimme: „Blumenstraße!“

Alte Bücher an Elektroschrott.

Dienstag, 16. März 2010 um 22:54

Die Menschen haben freundliche Vorstellungen vom Arbeitsleben einer Bibliohteksdirektorin. Hier eine kleine Kostprobe.

Noch im Mantel und vor Eroberung des Arbeitsplatzes findet die erste Besprechung über den Bestseller „Irre“ auf auf der Treppe statt. Der Messebesuch der Azubine wird dabei auch schnell abgeklärt und die Praktikantin lernt – ruck, zuck – wie das  Lochen von vier Löchern geht.

Jetzt den Rechner anschalten, Mantel ausziehen, Luft holen und die Krankmeldungen sichten. Ah, fünf Leute wollen zurückgerufen werden, doch dazu kommt die Direktorin vorerst nicht.  Der Mann am anderen Ende der Leitung ist schneller und will unserer Direktorin eine Beschallungsanlage zum Verleihen an ihre Kundschaft schmackhaft machen. Braucht sie die? Nö!

Kurze Zeit später versuchen am Telefon diverse weibliche Leseratten der frechen Art, ein Engagement in der Stadtbibliothek zu ergattern. Hat die Direktorin Geld dafür? Nö!

Dann ruft ein Händler aus Leipzig an: Alte Bücher will er verkaufen – Gott sei Dank hat die Bibliotheksdirektorin davon selbst genug und sagt: Nö!

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Voll die Sofas.

Mittwoch, 10. Februar 2010 um 18:42

Die Bibliotheksdirektorin war mal wieder auf ihrer Patrouille durchs Haus. In der Jugendbibliothek im 2. Stock waren alle Sofas mit knutschenden Pärchen besetzt. Dreimal umkreiste die Direktorin diskret die ineinander verkeilten Haufen und rief dann von Ferne: „Hallo, das Knutschen ist hier nur mit Bibliotheksausweis erlaubt! “

Im 1. Stock lagen zwei Jungs auf den beiden Ledersofas: Jeder hatte seinen Kram irgendwohin gestellt und sich der Länge nach ausgestreckt.  Der größere von beiden klappte nach einiger Zeit ein Auge auf und meinte schlaftrunken: „Isch denke nach, ok?“.  Er sah tatsächlich reichlich verknittert aus und die Direktorin blieb auch hier  gnädig: Eine Mütze Schlaf kann niemandem schaden und stärkt das Hirn. Die beiden Schläfer waren vorbildlich ausgestattet: Sie besaßen jeder einen Bibliotheksausweis.

Im Erdgeschoss schaute sich die Bibliotheksdirektorin unauffällig um: Das Bett in der Kinderbibliothek war gerade frei …

Hilfskräfte.

Samstag, 26. Dezember 2009 um 20:14

Die Bibliotheksdirektorin hatte in  Kinderbibliothek ein großes Chaos veranstaltet. Alle Kassetten waren aus den Trögen geräumt, mindestens die Hälfte sollte aus dem Bestand genommen werden. Hier hatte sie die Serien mit Hanni und Nanni, den Drei ??? und der Hexe Lilli aufeinander gestapelt, dort lagen alle Preußler-Kassetten nebeneinander, Astrid Lindgren war schon dreimal umgefallen und Erich Kästner war auch aufgeschichtet.  Mit zwei Bücherwagen hatte sie sich eingedeckt, doch das reichte nicht: Auch der Boden zu ihren Füßen war voll, sie konnte kaum noch treten. Genau in dem Augenblick kam ein kleiner Knirps angerobbt: „Kann ich die Biene Majas haben?“

„Ok, nimm sie Dir“, gab sie die alten Kassetten nochmal zu Ausleihe frei. Drei weitere Jungs guckten auch ganz interessiert und durften 6 TKKG-Kassetten einpacken. Die Olchies fanden auch auf einmal neue Liebhaber, denn es war wie immer: Soll etwas weggeworfen werden, wird es auf einmal wieder interessant für die kleine Kundschaft. Kinder sind da wie Katzen, je chaotischer der Laden ist, desto besser …

Aber dann kamen Sven und Lars, zwei Fans der Direktorin. „Was machst Du da?“, fragten sie zutraulich. „Können wir dir helfen?“ Voller Vorfreude guckten die beiden Brüder die Direktorin an.

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Entspannung am Abend.

Samstag, 12. Dezember 2009 um 17:33

Zur geistigen Erbauung veranstalten Bibliotheken immer mal wieder Autorenlesungen. Das Publikum kommt gerne und die Bibliotheksdirektorin begrüßt alle Gäste persönlich beim  Eintreffen. Sie ist schon seit 2 Stunden da, hat den Job des Hausmeisters mal eben selbst erledigt, das Lesecafé umgeräumt  und mehr als 50 Stühle hübsch an Tischen platziert. Die Salzstangen sind verteilt, Gummibärchen und Salzlakritze liegen zum Naschen auf den Tischen,  und die  Getränke stehen zur Selbstbedienung parat. So langsam füllt sich der Raum: Fast 60  Zuhörerinnen sind da, allein die Autorin fehlt. Diese kommt aus der benachbarten Großstadt; unsere Direktorin wird nun langsam nervös. Auf der Straße ist nichts zu sehen – doch schon in fünf Minuten soll es losgehen. Frierend steht die Direktorin vor dem Eingang herum:  Hopsen, Springen und Winken ist jetzt angesagt, sobald der Wagen der Autorin erkannt wird, damit diese weiß, wo’s rein geht und nicht womöglich am Eingang der Bibliothek vorbeirauscht.

Um „10 nach“ ruft die Direktorin schließlich auf dem Handy der Autorin an: „Ich bin kurz vorm Ziel. Wir hatten uns verfahren!“,  kommt die fröhliche Antwort.

Es folgt eine kurze Ansage für das wartende Publikum, und um „20 nach“ ist es endlich so weit. Die sympathische Autorin ist gelandet, holt 3-mal Luft und legt los. Die Bibliotheksdirektorin sinkt auf einen Stuhl, freut sich auf eine kurzweilige Lesung und macht es sich gemütlich. Weiterlesen…

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Waschzettel.

Gibt es Menschen, die noch glauben, wir BibliothekarInnen führten ein geruhsames und beschauliches Leben? Dann schauen Sie doch hier öfter ’mal rein! Ich werd’ Ihnen was erzählen!

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